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Folge 14·Kommunikation & Selbstliebe

Worte sind Orte — die Kraft der gewaltfreien Kommunikation

Korinna Söhnholz4 Min. Lesezeit

„Ich muss noch den Geschirrspüler ausräumen." „Ich muss noch die Steuererklärung machen." „Ich muss noch Mittagessen kochen."

Wie oft sagst du am Tag „ich muss"? Und hast du schon mal bemerkt, wie sich das in deinem Körper anfühlt?

In dieser Folge habe ich Angelika zu Gast – Kommunikationstrainerin, Meditationslehrerin, Atemlehrerin und eine gute Freundin. Was sie mir über Sprache erklärt hat, hat meinen Blick auf Kommunikation komplett verändert. Worte sind nämlich wirklich Orte.

1. Warum das Wort „Muss" dich in die Opferrolle katapultiert

Jedes Mal, wenn du sagst „ich muss", gibst du deine Verantwortung ab. Du machst das Außen dafür verantwortlich, was du gerade tust. Und damit landest du – ohne es zu merken – in einer Opferhaltung.

„Du hast eigentlich zu jedem Zeitpunkt die Wahl. Es hat unter Umständen eine bestimmte Konsequenz – und die Frage ist: Möchtest du diese Konsequenz tragen oder nicht?" – Angelika

Ein einfaches Beispiel: „Ich muss meinen Sohn von der Schule abholen" versus „Ich hole meinen Sohn ab". Du musst ihn nicht abholen. Du entscheidest dich dazu – weil er sich das wünscht, weil es dir wichtig ist.

Und der entscheidende Punkt: Es reicht nicht, „muss" einfach durch „darf" zu ersetzen. Wenn sich die innere Haltung nicht verändert, fühlt es sich trotzdem falsch an.

„Sprache kann uns wieder ins Hier und Jetzt versetzen. Anstatt zu sagen ich darf wachsen, kannst du sagen: Ich wachse gerade." – Angelika

Jedes „Muss" erzeugt eine Anspannung im Körper. Du bist im Widerstand, im Kampf, in der Ablehnung. Und das schickt messbar mehr Cortisol durch deinen Körper.

2. Hinter jedem „Muss" steckt ein Bedürfnis

Wenn dir etwas wie ein „Muss" vorkommt, lohnt es sich zu fragen: Was genau fällt mir daran schwer? Und welches Bedürfnis steckt eigentlich dahinter?

Angelikas Beispiel mit der Steuererklärung: Was nervt wirklich? Das Belege-Sortieren. Was steckt dahinter? Vielleicht Angst vor Behörden, vielleicht der Wunsch nach Leichtigkeit, vielleicht das Bedürfnis nach Unterstützung.

„Hinter jedem Müssen steckt immer ein Bedürfnis und ein Wunsch, was du dir eigentlich wünschst." – Angelika

Sobald du das Bedürfnis kennst, kannst du konkrete Handlungsschritte daraus ableiten:

  • Wunsch nach Unterstützung – Hilfe holen, zum Beispiel einen Steuerberater
  • Wunsch nach Leichtigkeit – die Aufgabe so gestalten, dass sie weniger schwer wirkt
  • Wunsch nach Effizienz – Aufgaben anders verteilen, zum Beispiel den Partner einbeziehen

Und manchmal reicht es schon, das Bedürfnis einfach zu erkennen – ohne sofort etwas zu ändern.

3. Gewaltfreie Kommunikation – das Modell, das Brücken baut

Die GFK, gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg, klingt erstmal sperrig. Aber sie ist im Kern unglaublich praktisch – ein Modell, das auf Verbindung statt Konfrontation ausgelegt ist.

Vier Schritte, ganz konkret:

  • Beobachtung – was ist tatsächlich passiert, ohne Bewertung? „Ich habe dreimal die Woche aufgeräumt, und jedes Mal lagen danach wieder Schuhe und Socken herum."
  • Gefühl – was löst das in dir aus? Nicht „nicht gut", sondern konkret: frustriert, traurig, ärgerlich?
  • Bedürfnis – was steckt dahinter? Gesehen werden, Wertschätzung, Kooperation?
  • Bitte – eine konkrete Handlung formulieren: „Könntest du mich dabei unterstützen?"
„Wenn du aus dem Widerstand kommunizierst, kriegst du Widerstand zurück. Aber wenn du sagst: Das frustriert mich und ich brauche eure Unterstützung, appellierst du an den Helferinstinkt." – Angelika

Und das Schöne: Dein Gegenüber muss die GFK gar nicht kennen. Wenn du ehrlich erklärst, wie es dir geht und was du brauchst, helfen Menschen meistens von sich aus gern.

4. Wie du in stressigen Momenten klar wirst – Angelikas Lieblingstool

Was tun, wenn der Stress gerade richtig hoch ist und keine Zeit für ein langes inneres Gespräch bleibt? Angelika hat dafür einen wunderbaren Trick: einen WhatsApp-Chat mit sich selbst.

„Ich sprech da rein, als würde ich mit einer Freundin sprechen. Indem ich zu dieser Freundin spreche, höre ich mir selbst zu – und höre den Unterschied zwischen Beobachtung und Bewertung." – Angelika

Eine Sprachnachricht an dich selbst schafft Klarheit. Du hörst dein eigenes Kopfkino. Du erkennst, was Fakt ist und was Bewertung. Und du findest heraus, was du wirklich fühlst und brauchst.

Alternative für alle, die lieber mit den Händen arbeiten: Daumen für Beobachtung, Zeigefinger für Bewertung. Du tippst hin und her, während du innerlich sortierst – und kommst dabei automatisch in eine ruhigere, beobachtende Haltung.

„Auch das eigene Selbstgespräch ist eine Form der Kommunikation. Erst wenn du in dir selbst Klarheit hast, kannst du nach außen eine klare Botschaft senden." – Angelika

Und das Wichtigste zum Schluss: 80 bis 90 Prozent aller Krankheiten entstehen durch Stress. Und einen großen Teil dieses Stresses machen wir uns selbst – durch genau dieses Kopfkino, durch die Geschichten, die wir uns im Kopf erzählen. Wer lernt, anders mit sich und anderen zu sprechen, nimmt sich selbst sehr viel Druck.

Hör dir die Folge unbedingt an – Angelika erklärt das alles noch so viel anschaulicher mit echten Alltagsbeispielen. Ich verspreche dir, du wirst danach anders mit dir selbst sprechen.

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Deine Korinna — die Osteopathin für Körper, Geist und Seele