Folge 23·Vagusnerv & Entspannung
Vagus-Reset für ein stressfreies Leben
Korinna Söhnholz3 Min. Lesezeit
Woher nehme ich meine Energie, obwohl so viel in meinem Leben los ist? Diese Frage höre ich oft. Mein Leben war zuletzt sehr turbulent – mein Vater ist verstorben, ich hatte eine Augen-OP, und das Unternehmen läuft natürlich weiter.
Genau in dieser Zeit haben mich meine eigenen Vagus-Entspannungstipps wirklich getragen. Heute teile ich sie mit dir – fünf konkrete Werkzeuge, die du sofort anwenden kannst, wenn du gestresst bist.
1. Warum dein Vagusnerv dein Wundernerv ist
Der Vagusnerv ist der Hauptnerv deines Entspannungsnervensystems – Teil deines parasympathischen, also deines Ruhe- und Heilnervensystems. Es ist wissenschaftlich belegt, dass Gewebe deutlich schneller heilt, wenn du entspannt bist.
„Bei Stress, Daueranspannung oder Überforderung ist der Vagusnerv oft aus dem Gleichgewicht geraten. Ich sage liebevoll: Dein Vagusnerv ist im Urlaub."
Der Vagusnerv beeinflusst Augen, Nase, Mund, Schilddrüse, Lunge, Herz, Magen, Darm, Gebärmutter und Eierstöcke – also Zyklus, Verdauung, Atmung und Schilddrüsenfunktion gleichermaßen. Jedes Organ hat eine aktive Seite zum Leisten und eine Entspannungsseite zum Regenerieren. Der Vagus sagt: Wir sind sicher, alles ist gut.
2. Was passiert, wenn du deinen Vagus aktivierst
Dein Herzschlag verlangsamt sich – ein wertvolles Tool bei Herzrasen oder Herzstolpern, kostenlos und ohne Nebenwirkungen. Deine Verdauung wird aktiviert, weil Magen und Darm im Stressmodus schlechter durchblutet werden.
„Im Stress ist es wichtig, dass Arme und Beine durchblutet werden, damit du schnell weglaufen kannst. Verdauung und Geschlechtstrieb sind in diesem Moment nicht wichtig – deshalb werden sie runtergefahren."
Außerdem verbessert sich deine emotionale Regulation: Du fühlst dich sicherer in deinem Körper, zentrierter und gelassener. Niemand sollte ohne dieses Wissen über den Vagusnerv leben – schließlich hast du ihn ohnehin, also darfst du auch wissen, wie du ihn für dich nutzt.
3. Fünf Tipps, die deinen Vagus sofort aktivieren
Tipp eins: Atmen. Lege die Hände auf den Bauch, schließe die Augen, lass die Schultern locker, die Zunge liegt im Mundboden. Atme durch die Nase ein, sodass der Bauch in deine Hände kommt, und beim Ausatmen geht er wieder zurück. Diese tiefe Bauchatmung aktiviert den Vagus direkt über das Zwerchfell.
Tipp zwei: Singen, summen oder brummen. Vibration im Kehlkopf entspannt den Vagus.
„Am Sterbebett meines Vaters waren wir völlig überfordert. Wir haben angefangen zu singen – das hat uns aus der Überforderung geholt und ihm das Atmen leichter gemacht."
Tipp drei: Kaltes Wasser ins Gesicht oder an den Hals – dort liegt der Vagus am nächsten an der Oberfläche. Eine kalte Dusche über die gesamte Haut wirkt genauso.
Tipp vier: Schütteln und Bewegung. Schultern, Arme und Beine ausschütteln setzt einen direkten Impuls in den Vagusnerv.
Tipp fünf: Die Pustebacken-Übung – Wangen aufpusten und für eine Minute halten.
„Wenn wir uns durchbeißen, verspannt sind oder ängstliche Gedanken haben, beißen wir den Kiefer zusammen. Deshalb haben so viele Menschen Kiefer-, Ohr- oder Nackenbeschwerden."
Diese Übung lässt sich überall einbauen – an der roten Ampel, im Stau, vor einem wichtigen Termin.
4. Training versus kurzfristige Aktivierung – und der wichtigste Bonustipp
Es gibt einen Unterschied zwischen ganzheitlichem Vagus-Training und kurzfristiger Aktivierung. Training bedeutet: Atemtechniken, Mindset-Arbeit, Wahrnehmungsübungen, das Verstehen der eigenen Lebensgeschichte – all das, was generell zur Entspannung beiträgt, stärkt langfristig auch den Vagus.
Kurzfristige Aktivierung sind die fünf genannten Tipps – sofort wirksam in einem akuten Stressmoment.
„Umgib dich mit Menschen oder Routinen, die dir Sicherheit schaffen, denn Sicherheit ist der größte Vagusaktivator. Aber die eigentliche, größte Sicherheit findest du nur in dir selbst."
Die wirkliche Sicherheit – das Gefühl von „Ich bin sicher, mir geht's gut, ich bin zu Hause" – findest du in deinem Herzen. Deshalb ist die Herzatmung so wertvoll. Wenn du dort ankommst, hast du deinen Vagus automatisch aktiviert.
Wir können uns nicht vor Stress schützen – das Leben passiert einfach. Aber mit diesen Tools nimmst du weniger Schaden, wenn eine schwierige Phase kommt. Genau das hat mir in den letzten Monaten selbst so sehr geholfen.
Hör dir die Folge an – sie ist bewusst kurz und knackig gehalten, damit du die fünf Tipps sofort griffbereit hast, wann immer du sie brauchst.
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Deine Korinna — die Osteopathin für Körper, Geist und Seele