Folge 41·Wechseljahre & Frauengesundheit
Bauchfett, Hormone und Bewegung — was Frauen in den Wechseljahren wirklich wissen müssen
Korinna Söhnholz4 Min. Lesezeit
Du erkennst dich selbst kaum wieder. Schlechte Laune aus dem Nichts. Schlechter Schlaf. Und das Bauchfett, das plötzlich einfach da ist – obwohl du genauso isst wie vorher.
Willkommen in der Perimenopause. Oder: Willkommen in einem der am meisten unterschätzten Kapitel im Leben einer Frau.
In dieser Podcast-Folge habe ich mir die fantastische Barbara Birke eingeladen – Sportwissenschaftlerin, Ernährungsberaterin und Expertin für Frauen in den Wechseljahren. Und ich gebe zu: Selbst ich als Osteopathin habe in diesem Gespräch so viel Neues gelernt.
Was Barbara erklärt, klingt manchmal fast zu gut, um wahr zu sein – und ist trotzdem Wissenschaft. Also: Hol dir einen Kaffee, setz dich hin und lies. Es lohnt sich.
1\. Es fängt früher an, als du denkst
Die meisten Frauen denken bei Wechseljahren an Mitte 50, Hitzewallungen und „ist ja bald vorbei“. Dabei beginnt die Perimenopause – also die Phase der Veränderung – häufig schon mit Mitte 30\.
Die ersten Zeichen? Schlafstörungen. Stimmungsschwankungen. Gereiztheit. Gelenkschmerzen. Dinge, die man schnell mal auf Stress, schlechte Erholung oder einfach „einen komischen Tag“ schiebt.
„Die häufigsten Symptome am Anfang sind Schlafprobleme und Stimmungsschwankungen. Dass man ein bisschen gereizter wird.“ – Barbara Birke
Was in deinem Körper passiert: Deine Eierstöcke drehen nicht plötzlich den Hahn zu. Es ist ein langsamer Prozess – ein Ins-Stottern-Kommen. Zuerst geht das Progesteron zurück (das ist das Chillhormon – kein Wunder, dass wir gereizter werden!), später dann das Östrogen.
Und beide Hormone wirken nicht nur auf die Eierstöcke, sondern auf deinen ganzen Körper: dein Hirn, deine Knochen, deine Blase, deine Muskulatur. Alles hängt zusammen.
2\. Warum Muskel wirklich Magic ist
Wenn ich eine Botschaft aus diesem Gespräch mitnehmen durfte, dann diese: Muskulatur ist das unterschätzte Wundermittel für Frauen in den Wechseljahren.
Barbara sagt es so:
„Wenn du ein Medikament hättest, was all diese Wirkungen hätte – das wäre ein Bestseller. Jeder würde das sofort nehmen.“
Was Muskeln für dich tun – und zwar wirklich:
♥ Sie schützen deine Gelenke und Knochen – besonders wichtig, weil das sinkende Östrogen den Knochenabbau begünstigt.
♥ Sie regulieren deinen Blutzucker – aktiver Muskel kann Zucker aus dem Blut ziehen, ohne Insulin. Das ist kein Witz.
♥ Sie geben dir Energie zurück – wer aufbaut, fühlt sich weniger erschöpft, nicht mehr.
♥ Sie schützen dein Gehirn – durch Myokine, die anti-entzündlich wirken und sogar vor Demenz schützen können.
♥ Sie machen dich länglebiger – Muskel gilt in der Forschung inzwischen als Langlebigkeitsorgan.
Und das Bauchfett? Das hängt ebenfalls mit Blutzucker, Cortisol und hormonellen Verschiebungen zusammen – und Krafttraining ist eine der wirksamsten Antworten darauf.
Zweimal die Woche reicht übrigens aus. Mehr ist in den Wechseljahren sogar kontraproduktiv, weil wir Stress nicht mehr so gut vertragen wie früher.
3\. So sollte dein Teller in den Wechseljahren aussehen
Drei große Ernährungsthemen nennt Barbara – und alle drei hängen eng miteinander zusammen.
Erstens: Blutzuckerregulation. Unser Blutzucker schwankt in den Wechseljahren stärker – und das hat Auswirkungen auf Stimmung, Heißhunger, Energie und sogar Hitzewallungen. Barbaras Lösung ist so simpel wie genial: der balancierte Teller.
Die Hälfte des Tellers: buntes Gemüse. Ein Viertel: Protein. Ein Viertel: komplexe Kohlenhydrate. Dazu ein Daumen gesundes Fett.
Zweitens: Darmgesundheit. Es gibt sogar ein Östrobolom – also Darmbakterien, die für die Östrogen-Verstoffwechselung zuständig sind. Ein gestresster Darm kann die Wechseljahre merklich verstärken. Barbaras Empfehlung: viele Ballaststoffe (langsam steigern!), fermentierte Lebensmittel und zum Beispiel zwei Esslöffel geschrotete Leinsamen pro Tag.
Drittens: Antientzündlich essen. Chronische Entzündungen steigen in den Wechseljahren an – und die richtige Ernährung kann aktiv dagegen arbeiten. Das bedeutet: viele Farben, hochwertige Fette wie Olivenöl und Avocado, keine verarbeiteten Lebensmittel.
Und ein besonderer Tipp von Barbara: Kreuzblütler! Brokkoli, Blumenkohl, Rosenkohl – die helfen deinem Körper dabei, Östrogen besser zu entgiften und auszuscheiden. Gerade in der frühen Perimenopause, wenn das Östrogen noch relativ hoch ist und Progesteron schon sinkt, kann das Brustspannen, Wassereinlagerungen und das aufgequollene Gefühl spürbar lindern.
4\. Die eigentliche Chance der Wechseljahre
Barbara sagt etwas, das mich wirklich bewegt hat:
„Es fühlt sich immer so nach Krise an. Aber eigentlich ist es eine Chance. Wer bin ich denn eigentlich? Was will ich? Was tut mir gut?“
Die Wechseljahre sind der Moment, in dem wir lernen dürfen, selektiver zu werden. Nein zu sagen, ohne ein schlechtes Gewissen. Auf uns zu schauen, ohne uns dafür zu rechtfertigen.
Und auch Barbaras wichtigste Empfehlung an alle Frauen da draußen fasst das wunderschön zusammen: Seid lieb zu euch. Lernt die Regeln für eure zweite Lebenshälfte – denn die, die vorher galten, gelten jetzt nicht mehr. Und das ist kein Versagen. Das ist Biologie.
Ich bin so dankbar, dass Barbara das mit uns geteilt hat. Und ich bin ehrlich: Ich nehme aus diesem Gespräch selbst so viel mit.
Was du jetzt konkret tun kannst:
♥ Fang mit Krafttraining an – zweimal die Woche reicht wirklich.
♥ Schau auf deinen Teller: Gemüse, Protein, komplexe Kohlenhydrate, gutes Fett.
♥ Iss mehr Kreuzblütler und Leinsamen.
♥ Und vor allem: Sei lieb zu dir selbst. Du bist gerade in einer großen Veränderung.
Hör am besten gleich in die Folge rein – Barbara und ich hätten noch stundenlang weiterreden können, und in der Episode steckt noch so viel mehr drin.
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Deine Korinna — die Osteopathin für Körper, Geist und Seele