Folge 36·
Warum deine Hüfte mit Stress zu tun hat — und was dein Psoas damit zu tun hat
Korinna Söhnholz4 Min. Lesezeit
Kennst du das Gefühl, dass deine Hüfte sich fest anfühlt?
Dass dein unterer Rücken schmerzt oder du das Gefühl hast, irgendwie „blockiert“ zu sein – obwohl du dich dehnst, bewegst und vielleicht sogar regelmäßig Yoga machst?
Dann lass uns heute mal gemeinsam eine Etage tiefer schauen.
Denn ganz oft liegt die Ursache nicht da, wo du suchst.
Dein Psoas – mehr als nur ein Muskel
Der Psoas ist dein Hüftbeuger.
Aber eigentlich ist er viel mehr als das.
Er sitzt tief in deinem Körper, verbindet deine Wirbelsäule mit deinem Becken und deinen Beinen – und ist gleichzeitig Teil deines Stresssystems.
Man nennt ihn nicht umsonst den Seelenmuskel.
Denn immer dann, wenn du Stress hast – egal ob mental oder emotional – reagiert dieser Muskel.
Angst
Überforderung
Wut
Druck
All das aktiviert dein inneres Alarmsystem.
Und dein Körper macht genau das, was er schon seit Urzeiten macht:
Er spannt an.
Warum sich Stress in deiner Hüfte festsetzt
Früher war Stress oft mit Bewegung verbunden:
Fliehen oder kämpfen.
Heute?
Sitzen wir. Funktionieren. Halten durch.
Wir rennen nicht weg.
Wir schlagen nicht zu.
Wir unterdrücken.
Und genau das ist der Punkt.
Dein Körper bleibt in dieser Anspannung hängen.
Und dein Psoas hält diese Spannung fest.
Das kann sich zeigen als:
Hüftschmerzen
Unterer Rückenschmerz
Eingeschränkte Beweglichkeit
Gefühl von „Steifheit“
Verspannungen im Becken
Und manchmal sogar über deine Atmung.
Denn dein Psoas ist auch mit deinem Zwerchfell verbunden.
Wenn er angespannt ist, wird oft auch deine Atmung flacher.
Dein Körper speichert, was du nicht fühlst
Vielleicht kennst du das:
Du bist traurig – aber funktionierst weiter.
Du bist wütend – aber schluckst es runter.
Du bist überfordert – aber ziehst trotzdem durch.
Und nach außen?
Lächelst du vielleicht sogar noch.
Doch dein Körper merkt sich das.
Er speichert diese Emotionen.
Nicht, um dir zu schaden – sondern um dich zu schützen.
Man kann sich das vorstellen wie eine Art Schutzpanzer.
Eine Spannung, die dich stabil hält, wenn du dich innerlich nicht sicher fühlst.
Das Problem ist nur:
Wenn dieser Zustand dauerhaft bleibt, wird er zu deinem „Normal“.
Warum Dehnen allein oft nicht hilft
Vielleicht hast du schon vieles ausprobiert:
Yoga
Dehnübungen
Physiotherapie
Und trotzdem kommt die Spannung immer wieder zurück.
Warum?
Weil du nur am Symptom arbeitest – nicht an der Ursache.
Denn wenn dein Nervensystem weiterhin im Stressmodus ist,
wird dein Körper immer wieder Spannung aufbauen.
Der Schlüssel: Dein Nervensystem
Hier kommt ein ganz wichtiger Spieler ins Spiel:
Dein Vagusnerv
Er ist dein größter Entspannungsnerv.
Wenn er aktiv ist:
wird deine Atmung tiefer
dein Herzschlag ruhiger
dein Körper entspannter
und dein Psoas kann loslassen
Doch dafür braucht dein Körper ein Signal:
Ich bin sicher.
Was dir wirklich hilft, um loszulassen
Es geht nicht darum, noch mehr zu machen.
Sondern darum, wieder in Kontakt mit dir zu kommen.
Hier sind ein paar sanfte Impulse für dich:
1\. Sanfte Bewegung statt „Leistung“
Beweg dich – aber ohne Druck.
Zum Beispiel:
Hüftkreisen
leichte Dehnungen
langsame, bewusste Bewegungen
Und ganz wichtig:
Spüre dabei wirklich in dich hinein.
2\. Atmung als Schlüssel
Eine einfache Übung:
5 Sekunden durch die Nase einatmen
5 Sekunden durch den Mund ausatmen
Das signalisiert deinem Körper:
Du bist sicher
Du darfst loslassen
3\. Gefühle zulassen
Manchmal kommen beim Dehnen oder in Ruhe plötzlich Emotionen hoch.
Vielleicht Tränen.
Vielleicht Ärger.
Das ist nichts Schlechtes.
Das ist dein Körper, der loslässt.
Ich sage immer:
Alles, was sich zeigt, möchte gehen.
4\. Mini-Pausen im Alltag
Du brauchst keine Stunde Zeit.
Schon 20–30 Sekunden reichen:
einmal tief durchatmen
kurz aufstehen
in den Raum schauen
etwas Schönes wahrnehmen
Das bringt dich sofort ein Stück mehr in die Entspannung.
Dein Körper ist immer für dich
Das Wichtigste, was ich dir mitgeben möchte:
Dein Körper ist nicht dein Problem.
Er ist deine Lösung.
Wenn deine Hüfte schmerzt, wenn dein Rücken zieht oder dein Körper sich fest anfühlt –
dann ist das kein Fehler.
Es ist ein Signal.
Ein Zeichen, dass etwas in dir gesehen, gefühlt und gelöst werden möchte.
Fazit
Wenn du das Gefühl hast, dein Körper hält fest –
dann hör auf, nur dagegen zu arbeiten.
Fang an, zuzuhören.
Denn echte Veränderung entsteht nicht durch mehr Druck.
Sondern durch Verbindung.
Mit dir.
Mit deinem Körper.
Mit deinen Gefühlen.
Und genau dort beginnt Heilung.
Wenn du tiefer in das Thema Nervensystem eintauchen möchtest, hör dir unbedingt die passende Podcastfolge dazu an – sie ergänzt dieses Thema wundervoll.
Wenn du tiefer einsteigen möchtest: Trag dich für den nächsten SoulBody Workshop für 0 € ein oder abonniere meine Sonntagspost.
Deine Korinna — die Osteopathin für Körper, Geist und Seele