Folge 19·Bewegung & Nervensystem
Fitness-Mythen, an die du bis heute geglaubt hast
Korinna Söhnholz4 Min. Lesezeit
Was wäre, wenn fünf Minuten am Tag reichen würden, um dein Nervensystem zu beruhigen? Und was, wenn fast alles, was du über Fitness zu wissen glaubst, gar nicht stimmt?
In dieser Folge spreche ich mit Ariane Reimer, Sportpädagogin und Inhaberin eines eigenen Studios in München. Wir haben uns auf den Malediven kennengelernt, und nach zwei Wochen Training mit ihr fühle ich mich wie neugeboren.
1. Warum Bewegung allein nicht reicht
Ariane unterrichtet seit ihrem sechzehnten Lebensjahr Bewegung – von Tanz über Kampfsport bis Aerobic. Aber lange Zeit sah sie hochintensives Training und Yoga als zwei völlig getrennte Welten.
„Wir brauchen hochintensive Bewegung, um uns zu spüren und auszupowern. Wir brauchen Entspannung, um zu verstehen, was in uns ist. Aber ohne die dritte Komponente – die emotionale Ebene – wäre ich heute nicht da, wo ich bin." – Ariane Reimer
Erst durch Coaching und die Auseinandersetzung mit ihrer Kindheit hat Ariane verstanden: Bewegung, Entspannung und emotionale Verarbeitung gehören zusammen. Heute vereint ihr Studiokonzept genau das – holistisches Training plus Embodiment, also die Verkörperung von Emotionen.
2. Frieden mit dem eigenen Körper finden
Auch als ausgebildete Sportexpertin war Ariane jahrelang nicht im Frieden mit ihrem Körper. Trotz gesunder Ernährung und viel Sport wog sie zehn Kilo mehr als heute.
„Ich hab mir jede Schokolade verboten und trotzdem mehr gewogen, als ich es jetzt wiege. Das war ein Schutzmechanismus – weil ich mich nicht so geliebt habe, wie ich war." – Ariane Reimer
Der Wendepunkt kam nach dem Studienabschluss: Ein Jahr im Ausland, in dem sie sich erlaubte zu essen, worauf sie Lust hatte, und den Sport zu machen, der ihr wirklich gefiel – ohne Druck.
„Ein Kilo nach dem anderen ist gepurzelt. Je mehr wir uns annehmen, wie wir sind, desto weniger brauchen wir diesen Schutz." – Ariane Reimer
Eine wichtige Erkenntnis daraus: Es reicht nicht, nur das Richtige zu essen und sich zu bewegen, wenn das Gehirn gleichzeitig gegen einen selbst arbeitet. Selbstliebe ist die Voraussetzung, nicht die Belohnung.
3. Drei einfache Bewegungsimpulse für jeden Alltag
Ariane gibt sich selbst zwischen Terminen bewusste Pausen – „den Raum dazwischen", wie sie es nennt. Aber auch für Frauen, die sich für unsportlich halten, hat sie drei einfache Tipps:
- Strecken – aktiviert den Lymphfluss und hat einen direkten Effekt auf Energie und Stimmung
- Arme schwingen lassen – in alle Richtungen, bewegt die Wirbelsäule durch
- Fünf bis sieben Kniebeugen – lassen sich leicht einbauen, zum Beispiel statt dich direkt hinzusetzen
„Es gibt diese Zwei-Minuten-Regel: einfach mit einer Übung für zwei Minuten starten. Oft wird daraus freiwillig mehr, sobald der erste Schritt gewagt ist." – Ariane Reimer
Besonders für Frauen in den Wechseljahren empfiehlt Ariane gezieltes Krafttraining – es ist nie zu spät damit zu beginnen, und es stabilisiert die Knochendichte. Dazu Entspannungstraining wie Yoga und ausreichend Protein in der Ernährung.
4. Mit Fitness-Mythen aufräumen
Zwei Mythen, mit denen Ariane gerne aufräumt: „Viel hilft viel" und „No pain, no gain".
„Wenn ich sowieso schon in einer stressigen Lebensphase bin, muss ich definitiv nicht noch zum CrossFit gehen. Manchmal brauchen wir eher Yoga Nidra oder eine gute Atemsession." – Ariane Reimer
Ein weiterer wichtiger Punkt: Frauen dürfen wieder weich werden, ohne dass das ein Widerspruch zu Kraft ist. Wer morgens spürt, wie viel Energie wirklich da ist, kann den Tag entsprechend gestalten – statt sich ständig mit anderen zu vergleichen.
Arianes Tipp für nur fünf Minuten am Tag: tiefe Bauchatmung, jederzeit und überall möglich, und die Wirbelsäule in alle Richtungen bewegen – strecken, beugen, seitlich neigen, drehen.
„Die Wirbelsäule verbindet Schulter- und Hüftbereich, entlang ihr läuft die Gehirnflüssigkeit. Durch diese Bewegungen aktivieren wir wunderbar den Vagusnerv, unseren Entspannungsnerv." – Ariane Reimer
Und ihr wichtigster Satz an ihr jüngeres Ich, das sich oft zurückgestellt hat: Es ist in Ordnung, an dich selbst zu denken, bevor du an alle anderen denkst.
„Mit all deinen Ecken und Kanten, mit allen Höhen und Tiefen bist du genau richtig. Du bist genug, du tust genug – jeden Tag." – Ariane Reimer
Hör dir die Folge unbedingt an – Ariane teilt noch viele weitere Geschichten und konkrete Übungen, die wirklich in jeden Alltag passen.
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Deine Korinna — die Osteopathin für Körper, Geist und Seele